Monitor-Erfahrungsbericht Teil3

March 05, 2013  •  Kommentar schreiben

Heute geht es nur noch indirekt um Monitore. Vielmehr geht es um ein Thema, mit dem ich mich anlässlich meiner Monitorsuche recht intensiv auseinandergesetzt habe: Farbmanagement u. Kalibrierung/Profilierung von Monitoren.

Da man im Internet viel Halbwissen findet, habe ich eine Weile damit verbracht die Spreu vom Weizen zu trennen. Mit der Zeit kristallisierten sich die wohl richtigen Informationen heraus, die auch durchaus Sinn ergeben haben. Ich möchte euch nun an meinen gewonnen Erkenntnissen Teil haben lassen und versuchen die für mich wichtigsten Erkenntnisse hier zusammen zu tragen.

Ich werde keine wissenschaftliche Abhandlung oder detaillierte technische Beschreibung wiederholen. Da gibt es einige Seiten, die das sehr schön darstellen - diese werde ich dann lieber verlinken. Ich versuche eine Vereinfachungsebene hier zu wählen, die mir geholfen hätte.

Begriffe

Zunächst ein paar grundlegende Begriffe, die immer wieder auftauchen und nicht immer richtig erklärt sind. Damit ihr also wisst, wovon ich rede, hier ein paar Erklärungen.

Farbraum

Farbraum ist die Menge an Farben, die von einem Gerät tatsächlich ausgegeben werden können. Obermenge ist der Farbraum, in dem alle sichtbaren Farben vorhanden sind. Doch die meistens technischen Farbräume sind nur ein Teil davon. Wichtig ist, dass ein Farbraum überhaupt definiert ist. So zum Beispiel sRGB, Adobe RGB, eciRGB, ProPhotoRGB, etc.

ICC-Profil

Ein ICC-Profil ist eine Möglichkeit einen Farbraum formal zu beschreiben. Wie nun ein RGB-Wert eines Computers auf einem Monitor ausgegeben wird (Ausgabe als CIE-XYZ-Farbraum = spektrale Anteile von Rot, Grün u. Blau), wird in einem ICC-Profil hinterlegt. Durch Umrechnung der Farbräume ineinander (s. Farbmanagement) ist es möglich verschiedene Farbräume immer gleich abzubilden.

Farbmanagement

Da nicht jedes Ausgabegerät die gleichen technischen Mittel nutzt, um Farben zu produzieren (ein LCD-Monitor macht das anders, als ein Röhrenmonitor oder sogar ein Farbdrucker), sind auch die Farben selbst nicht immer gleich. Definiert ist lediglich eine Farbe durch ihre spektrale Zusammensetzung aus ihren Rot-, Grün- und Blauanteilen. Farbmanagement ist nun die Berücksichtigung verschiedener Geräte mit ihren verschiedenen Farbräumen. Die zuständige Komponente (CMM - Color Managed Module) in der Software (Betriebssystem, Photoshop, etc.) rechnet nun die verschiedenen Farbräume in einander um und gewährleistet damit ein vorhersagbares Bild auf den verschiedenen Ausgabegeräten. Teil des CMM ist auch die Regeln, nach denen Farbraum-Beschneidungen vorgenommen werden (Abbilden von Farbwerten außerhalb des möglichen Bereichs auf die jeweiligen Minimal-/Maximalwerte (="abschneiden") oder eine Skalierung in die entsprechenden Farbbereiche ("weichere Übergänge")).

Kalibrierung

Einstellen des Ausgabegerätes auf geeichte Werte. Bei einem Monitor heißt das Helligkeit, Weißpunkt und Gamma. Die Werte sind abhängig von der Arbeitsumgebung. Diese sollte im professionellen Bereich genauso "kalibriert" sein, wie die Ausgabegeräte selbst (z.B. konstante, farbstabile Beleuchtung).

Profilierung

Ausmessen des verwendeten Farbraums und Erstellung eines Profils (ICC-Datei), die diesen Farbraum beschreibt. D.h. welcher Farbwert kann durch welche spektralen Farbanteile erreicht werden.

 

Weiterführendes

Wem meine Versuche der einfachen Zusammenfassung noch nicht reicht, und wer mehr wissen will und sich für ausführliche Details interessiert, kann ich nun noch ein paar Links empfehlen, die ich bei meinen Recherchen gefunden habe:

Technisch sehr fundiert und mit viel Mathematik kann ich den Link auf die Seiten der Uni Hannover empfehlen.

Nicht ganz so technisch, aber auch schön zusammengefasst ist das Thema auf folgenden Seiten:

Und mein Lieblingsartikel: Monitor Calibration for Photographers.

Und noch die passenden Seiten im Wiki:

Monitor-Kalibrierung u. Profilierung

Die Kalibrierung

Ich habe am mich am Anfang sehr oft nach dem Sinn der Kalibrierung gefragt. Denn offensichtlich haben die Eingangsgrößen der Kalibrierung einen starken Einfluss auf das aussehen des Bildes im Ergebnis. Zum Beispiel ein Weißpunkt von 3000K wird das ganze natürlich sehr gelblich erscheinen lassen. Der nächste kalibriert auf 6000K und bekommt ein viel blaustichigeres Bild. Doch ich habe das vielleicht etwas zu sehr vereinfacht: Ein einheitliches Bild auf allen Monitoren bekommt man nur dann, wenn unter gleichen Randbedingungen gearbeitet wird. Dazu gehören nicht nur gleiche Eingangsgrößen (Weißpunkt, Gamma, Helligkeit), sondern auch gleiche Umgebungs-Bedingungen (Raumlicht in Helligkeit, Lichtrichtung u. Lichtfarbe, Wandfarbe und Material, Boden, etc.). Viel wichtiger für den Einzelnen ist ein definiertes Bild zu haben, dass jederzeit wieder in diesen Zustand gebracht werden kann.

Einstellungen bei der Kalibrierung für mich:
Da ich in einer relativ dunklen Umgebung arbeite, habe ich die Helligkeit auf 90ccd/cm2 eingestellt und einen Weißpunkt von D65 (6500K) gewählt. Den Gamma habe ich auf 2.2 eingestellt.

Ich arbeite viel im sRGB-Farbraum. Deshalb habe ich mich für eine Farbraumemulation sRGB entschieden. Der Monitor wird nun bereits durch seine interne LUT so kalibriert, dass der Monitor annährend den sRGB-Farbraum verwendet. So etwas geht natürlich nur, wenn man einen Monitor hat, der eine Hardware-Kalibrierung zulässt. Der Eizo CG243 tut das gottseidank :). S. auch hier.

Die Profilierung

Auch wenn die Profilierung von der Software oft in einem Zug mit der Kalibrierung gemacht wird, sind es zwei völlig verschiedene Dinge: Eine ordentliche Kalibrierung ist als Voraussetzung für eine anschließende Profilierung natürlich sinnvoll, damit man ein definierten Ausgangszustand hat. Während jedoch bei der Kalibrierung Helligkeit, Kontrast, Weißpunkt und Gamma allenfalls digital in den Monitor "programmiert" (oder ansonsten manuell über die Monitortasten soweit möglich eingestellt) werden, wird bei der Profilierung mit einem Colorimeter der Farbraum des Monitors "ausgemessen" und dann ein entsprechendes Monitor-Profil erstellt und im ICC-Format abgespeichert.

Anmerkung: Wer Teil1 aufmerksam gelesen hat, hat sicherlich gemerkt, dass ich dort sehr stark vereinfacht habe, als ich die ICC-Profile erklärt habe. Ich hoffe, dass das hier nun im Teil3 klarer und korrekter geworden ist.

 


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