Monitor-Erfahrungsbericht Teil2

February 26, 2013  •  Kommentar schreiben

Hier kommt der zweite Teil meiner Odyssee durch den Dschungel der Monitore :) als Fortsetzung des ersten Teils.

Die Unterschiede

Für die Auswahl eines Monitors gibt es unterschiedliche Merkmale, mit denen sich viele Modelle unterscheiden:

Panel & Elektronik

Das Herzstück eines jeden LCD-Monitors ist das Panel (was das eigentliche Bild anzeigt) mit seiner Hintergrundbeleuchtung und der Elektronik, mit der das Bildsignal aus der Grafikkarte auf das Panel gebracht wird. Hier gibt es große Unterschiede. Man kann nicht sagen, dass es DAS ultimative Panel gibt, jede Technik hat für ihren Anwendungszweck Vor- und Nachteile. Zum Beispiel muss ein Monitor für Computerspiele ganz andere Kriterien (schneller Bildaufbau/wechsel) erfüllen, wie für einen Bildbearbeiter (hohe Farbtreue und Farbhomogenität). Ein Büro-Monitor sollte hingegen möglichst Sparsam sein (ausgeklügeltes Powermanagement, LED-Beleuchtung, etc).

Für die Bildbearbeitung ist ein möglichst Blickwinkelunabhängiges Panel mit einer gleichmäßigen Ausleuchtung wichtig. Hier sind IPS-Panels zu empfehlen. Eine gleichmäßige, Farbtemperatur-stabile Ausleuchtung bekommen man wohl immer noch am besten mit Leuchtstoffröhren hin, die allerdings erhöhten Energieverbrauch und eine kurze "Warmlaufphase" mit sich bringen.

Einen richtigen Preissprung macht der Unterschied zu einem Panel mit großem Gamut (Farbraum), d.h. die den sRGB- oder sogar AdobeRGB-Farbraum vollständig abdecken. Generell lohnt sich das nur für bildbearbeitende Anwendungszwecke. Ob diese Investition Sinn macht, muss man selbst entscheiden. Das hängt vorallem von seinem persönlichen Arbeitsablauf ab.

Optik & Bedienung

Für mich auch nicht unwichtig, ist die Bedienung. DELL setzt hier schon seit einiger Zeit auf die berührungsempfindlichen Sensortasten, mit denen ich persönlich nicht wirklich gut klar komme, auch wenn sie schick in den Rahmen eingelassen sind. Soft-Tasten, wie sie bei manchen Belinea-Modellen zu finden sind/waren sind ebenfalls nicht wirklich der Hit, wenn man sie öfter benötigt. Eizo hat zwar sehr schöne Tasten - aber nur die höherpreisigen Modelle haben dazu ein Onscreen-Beschriftung. Für die Bedienung der einfachen Monitore, braucht man helles Licht von vorne, um die Beschriftung am Rahmen lesen zu können.

Auch die Optik kann bei einem Designer-Büro durchaus eine Rolle spielen. Hier macht sicherlich ein Apple Display mehr her, als ein schwarzer, globier EIZO-Monitor. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten :)

Lautstärke

Man sollte es kaum für Möglich halten. Aber bei meiner Suche nach einem Monitor ist mir aufgefallen, dass nicht jeder Monitor geräuschlos ist. Meistens sorgt ein Lüfter im Gehäuse für störenden Lärmpegel - auch wenn es Lüfter gibt (s. EIZO CG243W), die man kaum hört, sind genügend Lüfter unverschämt laut (aufgefallen beim NEC Spectraview 241 und EIZO SX2462)! Wer also gerne in absoluter Ruhe vor seinem Monitor sitzt, sollte auch darauf achten - derjenige, der immer mit lauter Musik beschallt wird, braucht das natürlich nicht :)

Anschlüsse

Ein sehr wichtiger Punkt sind Anschlüsse. Die neueren DELL-Monitore haben zum Beispiel einen USB3.0-Hub mit 4x USB-Anschluss vorgesehen, während EIZO sich bis heute mit 2x USB2.0-Ausgängen zufrieden gibt. Auch die möglichen Eingangs-Varianten (DVI, VGA, Coposite, Displayport, Mini-Displayport, etc.) sind je nach verwendeten Zuspielern nicht unwichtig. Hier haben niederpreisige Büro-Monitore sicherlich die Nase vorn.

Service & Garantie

Je nach Hersteller gibt es für die Monitore bis zu 5 Jahre Garantie. Genauso wertvoll kann im professionellen Bereich ein Sofortaustausch eines defekten Gerätes sein. Hier bietet Eizo (zumindest auf dem Papier) erstklassigen Service.

Preis

Wie bei vielen Dingen ist es auch bei den Monitoren so: You get, what you pay for. Man kann von einem 199.- Euro sicherlich keine Wunder in Service, Garantie, Qualität und Anzeige erwarten. Hier ist es vielmehr wichtig vorher zu ermitteln, was einem ausreicht. Wenn ich nur das bezahle, was ich brauche, dann kann ich unter Umständen auch Geld sparen.

Suchmaschinen und Demogeräte vom Hersteller können einem durchaus ein paar Euro einsparen helfen. Gebrauchtgeräte können gerade bei z.B. EIZO durchaus auch eine Alternative darstellen, wenn sogar noch Garantie drauf ist. Hier lohnt sich auf jedenfall den Betriebsstundenzähler anzuschauen.

Die Monitore im Einzelnen

Folgende Monitore habe ich mir angesehen und werde dazu ein paar Sachen aufführen, die mir aufgefallen sind:

  • DELL u2413
  • DELL u2713HM
  • DELL u2410
  • DELL u2412
  • EIZO EV2436W
  • EIZO CG243W
  • EIZO SX2462
  • NEC SpectraView 241

Es geht dabei nicht um exakte Tests oder komplette Reviews, sondern vielmehr um ein paar Eindrücke, die ich hatte, als ich sie ausprobiert habe. Angeschlossen habe ich sie an ein Mac Book Pro Retina 15" über MiniDisplayport an Displayport des Monitors. Meistens zwei nebeneinander zum direkten Vergleich.

DELL u2413

Der Monitor ist noch so neu, dass es nicht wirklich viele Testberichte dazu gab. Aber ein Monitor mit WideGamut (PremiumColor heißt das bei DELL) und gut getesteten Vorgängern zu einem Preis unter 500 Eur war so vielversprechend, dass ich ihn ausprobieren musste. Die Sensortasten für die Bedienung haben mich gleich gestört, da sie nicht immer ansprechen. Das Bild war ok, wenn auch nicht besonders aufregend. Die Farben erschienen mir generell etwas zu kontrastreich und peppig. Richtig gestört hat mich, dass bei jedem Wechsel des Anzeigemodus (sRGB, AdobeRGB, etc.) die anderen Display-Einstellungen wieder zurückgesetzt wurden. Insbesondere die Schärfeeinstellung, die man unbedingt immer wieder zurücksetzen muss auf 0, da das Bild sonst völlig beknackt aussieht. Ich halte das für ein Firmware-Problem, was bestimmt irgendwann behoben wird. Aber ob das dann vom Anwender gemacht werden kann ist fraglich. Außerdem hieß es, dass er Hardware-Kalibriert werden kann mit dem XRite-i1DisplayPro. Auch das habe ich nicht hinbekommen, so dass es zuviele Ärgernisse waren und mir der Monitor noch zu viele Kinderkrankheiten aufgewiesen hat. Aber vielleicht bekommt man für das Geld auch nicht mehr. Sehr extrem fand ich auch den IPS-Glow in den unteren Ecken, der mir sogar im Bild aufgefallen ist. Gefallen hingegen haben mir der großzügige USB3.0-Hub mit 4 Anschlüssen und das gelungene Design. Hervorzuheben ist die Möglichkeiten über den Displayport-Ausgang einen zweiten Monitor anzuschließen (wenn das Displayport-Protokoll 1.2(?) unterstützt wird).

DELL u2713HM

Ein 27" Monitor mit so guten Kritiken (s. PRAD u. div. Internettests) unter 500 Euro klingt auch verführerisch. Das Bild war sehr kühl und nüchtern - aber durchaus gut. Es wirkte sehr ehrlich - was aber wohl gerade an dem leicht kühlen Bild lag, wie ich mit der Zeit herausgefunden habe. Dafür konnte man nicht viel einstellen bzgl. Farbdarstellung und es bieb bei einer reinen Software-Profilierung. Aber die Größe und die doch durchaus bemerkenswerte Auflösung vermittelte mir den Eindruck eines Sitzplatzes in der ersten Reihe in einem Kino :) Und ich habe gemerkt, dass 27" für meine Anwendungszwecke einfach zu groß ist. Aber auch hier fand ich gefallen an dem USB3.0-Hub mit 4 Anschlüssen und dem gelungenen Design.

DELL u2412

Auch hier ist es ein Zwischending der beiden anderen DELL-Modelle: Sensortasten, wenig Möglichkeiten zur Einstellung. Das Design und Anschlüsse ebenfalls ordentlich.

NEC SpectraView 241

Hier hat mich der überaus laute Lüfter und das grauselige Bedienkonzept des OSD sehr enttäuscht (das auch nicht gut leserlich war). Da ich auf die Schnelle keine ordentliche Kalibrierung hinbekommen habe (endete nach 30 Minuten in einem rosa Bild)- weder mit der eigenen Software ColorNavigator (der den i1DisplayPro nur teilweise erkannte), noch mit dem i1Profiler - hat mich dieser Monitor für einen Preis über 1000 Euro auch nicht überzeugt.

EIZO EV2436W

Das ist ein Modell bei dem ich fast schwach geworden bin: Ordentliche Bedienung über Tasten, schnelles OSD, gute Einstellmöglichkeiten (zumindest am Monitor über die Tasten), verschiedene, gut abgestimmte Bildschirmmodi, Netzschalter und ein ausgewogenes Bild bei einem schmalen Rahmen und ohne störenden Lüfter. Und das alles für einen Preis unter 400 Euro. Ausgestochen wurde er nur vom EIZO CG243W im unmittelbaren Vergleich dazu. Ob einem der Mehrpreis von über 800 Euro das wert ist, muss man mit sich selbst ausmachen - aber hier sieht man mal, das mehr Geld auch ein anderes Bild produziert :) Die leichte Grün/Blau-Lastigkeit hat mich dann doch etwas gestört.

 

 

EIZO SX2462

Nachdem ich vom EV2436 so angetan war, dachte ich mir, dass ich vielleicht das Gleiche auch mit noch "besserem Bild" bekomme und habe mir den SX2462 angeschaut. Doch viel mehr als Anschließen und Einschalten habe ich nicht probiert: Der eingebaute Lüfter produziert einen Geräuschpegel, mit dem ich nicht bereit bin zu leben.

 

 

 

 

EIZO CG243W

Letzter Versuch aus der EIZO-Reihe war das ColorEdge-Model, welches ich als Demo-Ware bei EIZO direkt entdeckte: Trotzdem mit 5 Jahren Garantie. Erste Ernüchterung nach dem Einschalten: Auch hier werkelt ein Lüfter wie im SX2462, doch deutlich leiser, so dass er noch erträglich ist und im normalen Arbeitsalltag sicherlich kaum auffällt. Das Menü ist noch besser gestaltet mit Onscreen-Beschriftung, so dass man sich auch im Dunkeln zurecht findet. Die verschiedenen Modi sind sehr schnell und einfach zum Umschalten und man kann sich sogar die nicht benötigten "ausblenden", so dass man noch bequemer zwischen seinen Favoriten hin- und herschalten kann. Ein weiterer Tiefschlag erlebte ich dann, als ich den i1Profiler zum Kalibrieren verwendete und nach Start der Messung plötzlich kein Signal mehr am Monitor war. Nach anschließendem Ein- und Ausschalten am Netzschalter und Reboot des Rechners, hatte ich dann wieder ein Bild - aber in 640x480er Auflösung. Das ganze reproduzierbar. Das besserte sich auch nicht, nach Austausch des USB- und, Displayport-Kabels. Letzter Versuch: Die EIZO eigene Kalibrierlösung in der aktuellen Version runtergeladen und installiert. Und welch ein Wunder: Sogar der Xrite i1DisplayPro wird als Kalibriergerät unterstützt. Und meine Begeisterung wuchs immer mehr. Der Vorgang war einfach, die Dokumentation war vorhanden und gut. UND: Was ein Bild. Detailgetreu, natürlich und wirklich schön. Genau SO habe ich mir das vorgestellt. Der Unterschied im Vergleich zum sicherlich guten Bild des EV2436 ist wirklich beachtlich und man sieht, dass man mit diesem Monitor in einer anderen Liga spielt. Das Top-Bild und die gute Bedienergonomie lassen mich über den Lüfter und die nicht erklärbare Inkompatibilität mit dem i1Profiler hinwegsehen.

 

...weiter geht es im dritten Teil: Da beschreibe ich meine Erkenntnisse mit dem Unterschied von sRGB-Monitoren gegenüber WideGamut-Monitoren.


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