Fotos bei Events & Feiern

February 04, 2014  •  Kommentar schreiben

Eine Leserin fragte mich nach einem geeigneten Objektiv für Feiern und Events. Da es vorwiegend im privaten Einsatzbereich genutzt wird, soll es sich vermutlich auch in einem erschwinglichen Preisniveau abspielen.

Durch Spiegelreflex- oder Systemkameras haben wir die Möglichkeit verschiedene Objektive am Kameragehäuse zu nutzen. Das sollte man auch zu seinem Vorteil ausnutzen.

Ich rede hier bei konkreten Modellen von Nikon-Objektiven bzw. Objektiven mit Nikon-Anschluss, da ich eine Nikon besitze. Sicherlich gibt es von anderen Herstellern auch entsprechende Modelle, mit vergleichbaren Kennzahlen.

Welches Objektiv für welchen Einsatzzweck ?

Nicht jedes Objektiv ist für jeden Zweck optimal: Es gibt zwar Zoomobjektive, die einen Brennweiten bereich von zum Beispiel 18-300mm abdecken. Doch geht man mit diesen Objektiven meist Kompromisse in der Bildqualität ein. Auch das Gewicht spielt eine Rolle, wenn man das Objektiv viel herumtragen muss (wie auf Wanderungen etc.). Daher muss man den Einsatz der Objektive gut gegen Bildqualität, Gewicht und Anzahl der Objektive abwiegen. Hier ein paar Beispiele:

  • Wanderung oder Familienfotos im Urlaub: Lieber nur EIN Objektiv, mit vertretbarem Gewicht und möglichst großem Brennweitenbereich. Durch einen Bildstabilisator lässt sich eine gewisse Lichtschwäche etwas kompensieren. Das Nikkor 18-200/3.5-5.6VR ist ein solches Allround-Objektiv. Kompromisse gehe ich damit sicherlich bei der Lichtstärke und der Bildqualität ein. Aber gerade im Urlaub hat man oft genügend Licht und für Familienbilder muss es nicht unbedingt Highend-Qualität sein. Die Familie ist sehr dankbar, wenn sie nicht immer auf den "Objektivwechsler" warten muss :)
  • Tierfotografie: Ein Hund, Pferd oder eine Katze bewegen sich relativ schnell und man möchte schöne Portraits von dem Tier aus der Entfernung machen. Hier macht sich eine lichtstärkere Telebrennweite schnell "bezahlt", wenn man mit hohen Verschlusszeiten und kleinen Blenden schöne Bilder produziert.

Sobald man genügend Licht hat, kann man prinzipiell mit jedem Objektiv arbeiten. Auch wenn sich die Bildqualität zwischen den einzelnen Modellen unterscheidet, können damit sicherlich immer ordentlich belichtete Fotos gemacht werden.

Objektive mit einer großen Offenblende haben zwei Vorteile: Erstens mehr Licht auf dem Sensor, zweitens kann man mit großen Offenblenden schöne Schärfentiefe erzeugen. Nachteil gibt es auch: Der Preis. Günstiger sind Festbrennweiten, gegenüber Zoom-Objektiven. Eine günstige Variante wäre zum Beispiel das 50mm/1.8 oder das 35mm/1.8.

Korrekte Belichtung erreichen

Wenn nun entweder sehr kleine (schnelle) Verschlusszeiten notwendig sind, wie etwa in der Sportfotorafie oder bei Fotos von Kindern, Hunden usw., reicht das vorhandene Licht oft nicht aus. Das Gleiche trifft bei Aufnahmen in dunklen Räumen (Kirchen, Diskotheken, Konzerten, etc.) zu. Da die Belichtungszeit nicht beliebig lange gemacht  werden kann (Verwacklung / Unschärfe von bewegten Motiven), bleiben nur noch zwei andere Faktoren, das Bild korrekt zu belichten:

  • Blende (d.h. die Öffnung des Objektivs möglichst weit auf machen, so dass viel Licht einfallen kann)
  • Empfindlichkeit des Sensors (früher Film):  Die ISO-Zahl erhöhen.

Die erhöhte ISO-Zahl bringt gerade bei "günstigeren" Kameramodellen sehr schnell ein unschönes "Rauschen" (verpixeln der Bilder) mit sich. Trotzdem sollte man diese Möglichkeit ausnutzen, um einer korrekten Belichtung näher zu kommen.

Die Blende ist der schwierigere Faktor:

  1. Begrenzt durch die maximale Anfangsblende des Objektivs. Ein 18-200/3.5-5.6 hat eine Anfangsblende von 3.5. D.h. die kleinste Blendenzahl ist 3.5. Bei Zoomobjektiven ist oft ein Bereich angegeben, da die Anfangsblende von der eingestellten Brennweite abhängt. Im obigen Beispiel ist bei 200mm Brennweite eine minimale Blendenzahl von 5.6 einzustellen. Es gibt jedoch auch Optiken, bei denen es eine durchgängige Anfangsblende von z.B. 2.8 gibt: Nikkor AF-S 70-200mm/2.8. Solche Objektive sind meist in einem eher hochpreisigen Segment angesiedelt.
  2. Der Bildcharakter wird maßgeblich durch die verwendete Blende beeinflusst. Je kleiner die Blendenzahl gewählt wird, desto mehr Schärfeunterschiede kann ich in das Bild bringen. Fotos mit einem scharf abgebildeten Motiv und einem völlig verschwommenen Hintergrund lassen sich mit kleinen Blendenzahlen sehr viel einfacher erstellen. Umgekehrt: Verwendet man eine große Blendenöffnung (=kleine Blendenzahl / Offenblende), damit man sehr viel Licht auf den Sensor bannen kann, muss man mit einer sehr geringen Schärfentiefe leben.

Unabhängig von Objektiven lässt sich natürlich auch mit anderen Hilfsmitteln "mehr Licht" zaubern: Systemblitze sind für dunkle Räume sicherlich eine sinnvolle Anschaffung.

Empfehlung von mir

Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Für Events, Feiern und Hochzeiten kommt man nicht um lichtstarke Objektive herum.

Wer das Geld für ein Zoom-Objektiv aufbringen möchte, dem kann ich zum Beispiel im Normalbrennweitenbereich das "Tamron 24-70mm/2.8 Di VC USD" empfehlen. Es ist günstiger als das entsprechende Nikon-Modell, aber die Bildqualität finde ich durchaus vergleichbar. Der Verwacklungsschutz arbeitet in meinen Augen hervorragend. Man bekommt es für einen Straßenpreis von ca. 800 Euro.

Für den Telebereich kann ich (leider) nur das nicht wirklich preisgünstige Nikkor AF-S 70-200/2.8 VR2 empfehlen. Wer günstig das Vorgängermodell erwerben kann (VR nicht VR2) fährt damit genauso gut. Die Bildqualität ist jedoch überragend und wer das Geld investiert und leidenschaftlich Fotos macht wird das wohl kaum bereuen :)

Für den kleineren Geldbeutel gibt es durchaus alternativen bei Festbrennweiten, die ich ebenfalls empfehlen kann:

  • Nikkor AF-S DX 35mm/1.8
  • Nikkor AF-S 50mm/1.8
  • Sigma Makro 105mm/2.8

Nutzen der digitalen Bildbearbeitung

Wenn das Bild einigermaßen korrekt belichtet und nicht verwackelt ist, kann man auch in der Postproduktion noch einiges verbessern, wenn man weiß wie :) Am meisten Potenzial bieten zum Beispiel RAW-Bilder mit 12-Bit-Farbtiefe. Dann kann man mit z.B. Adobe Lightroom noch so einiges aus den Bildern rausholen: Belichtung, Farben, Rauschen, Schärfe.

Ich hoffe damit die Frage beantwortet zu haben und vielleicht die eine oder andere Anregung gegeben, um in Zukunft für noch bessere Bilder gerüstet zu sein.


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