Erfahrungen mit Elinchrom BXRi 250/500

November 08, 2011  •  2 Kommentare

Ich möchte hier über die Beweggründe für die Erweiterung mit Studioblitzen, die Pros und Contras und die Gründe, die mich zum Kauf von Elinchrom bewogen haben und meine ersten Erfahrungen mit Elinchrom berichten...

Systemblitze - nicht immer optimal

Systemblitz Nikon SB900 Zunächst muss man sagen, dass ich eine "bessere Lösung" für meine Systemblitze gesucht habe, vielmehr um folgende Nachteile der Systemblitze für mich zu verbessern:

  • Nikon CLS (Creative Lighting System: Optische, kabellose Blitzauslösung von Nikon-Blitzen) ist bei Tageslicht und größeren Entfernungen (große Gebäude, etc.) nicht mehr zuverlässig.
  • Als Alternative zum CLS habe ich Funkauslöser von Yongnuo (RF-602) benutzt. Vorteil: Sender sind billiger als ein Nikon-Master-Blitz; Nachteil: Kein TTL mehr - nur noch MANUELL. Damit muss ich dann immer zwischen den Blitzen hin- und her flitzen, um die Leistung entsprechend einzustellen - meistens noch Blitz erstmal noch in Finger-Reichweite holen.
  • Bei einem Outdoor-Shooting mit viel Licht und folglich nahezu maximaler Blitzleistung der Systemblitze, kommt es regelmäßig zur Überhitzung von den kleinen Wundertüten. Das heißt dann Warten oder mit einem anderen weiter arbeiten.
  • Einstellen des Lichtes verschleißt die ohnehin nicht zu üppig ausgestatten Energiereserven der 4 AA-Akkus, so dass es schnell passiert, dass kurz nach Beginn des eigentlichen Shootings die Akkus gewechselt werden müssen.
  • Gerade bei Portrait-Shootings, möchte ich gerne nach jeder Blitzauslösung schnell wieder bereit für den nächsten Shot sein, damit mir eine vielleicht tolle Pose nicht entgeht. Die Systemblitze haben (gerade bei max. Leistung) recht lange Ladezeiten.
  • Leichte Systemblitze sind auf stabile und gut beschwerte Stative angewiesen, da sie sehr anfällig gegen leichte Windstöße sind.
  • Durch die relativ schwache Leistung sind große Lichtformer (Octabox, Striplights) nur bedingt möglich. Adapter oder spezielle Lösungen von Lichtformern an Systemblitzen sind teuer.

 

Studioblitze...

Also entstanden dadurch meine Anforderungen für die Studioblitze:

  • Es muss eine mobile Stromversorgung möglich sein
  • Ich brauche eine Funkfernsteuerung für das Auslösen UND das Verstellen der Leistung
  • Preislich im Rahmen bleiben

Was mich weniger stört - und ich mir aber sicherlich mit Studioblitzen ebenfalls erkaufe:

  • Hohes Gewicht, was ich nicht viel rumschleppen will. D.h. ich muss meine Ausrüstung mehr oder minder direkt vom Auto auf das Set stellen können (oder genügend Leute zum tragen haben).
  • Ich brauche Stative, um die Studioblitze aufzustellen. Einen Studioblitz hält kein Assistent mal so zum Blitzen in der Hand.
  • Ich habe Kabel (Strom) rumfliegen und bin dadurch auch eingeschränkter.

Da die Porty-Lösungen mir zu teuer waren, habe ich mich für einen Generator Explorer XT für die mobile Stromversorgung entschieden. Habe nun schon ein paar Shootings damit gemacht und er ist noch nicht leer :)

Auswahl

Folgende Kompaktblitz-Geräte habe ich mir angeschaut u. teilweise auch mit gearbeitet:

Mein absoluter Favorit ist Hensel (gewesen). Leider - ebenso wie Multiblitz war mir das zu teuer. Vergleichbare Elinchrom-Geräte sind ein ganzes Stück billiger. Walimex macht einen guten Eindruck, aber leider habe ich in den letzten Jahren zu oft zu asiatischer Billigware gegriffen und mich  im Nachhinein doch für Markenprodukte entschieden, so dass ich diesmal das Experimentieren mit der Billig-Ware nicht wagen wollte; Zumal die Lichtformer ja nicht immer wirklich kompatibel sind. Interessant war auch der MB-500 von Priolite. Aber hier haben mich der Preis, das Gewicht und der integrierte Akku letztendlich doch abgeschreckt. Ansonsten ein sehr interessanter Blitz.

Elinchrom bietet hier einen guten Kompromiss. Ich habe mich wegen der integrierten Funkfernbedienung (nicht nur Auslösung), den anderen technischen Daten und nichtzuletzt wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses für die BXRi-Serie entschieden.

Elinchrom - Mein Eindruck

Die Blitzköpfe kommen in einer ordentlichen, platzsparenden Tasche und machen auf den ersten Blick einen etwas "plastiken" Eindruck. Eine Glühbirne als Einstellicht mutet auch erstmal etwas komisch an, funktioniert aber :)

Die Bedienung erfolgt über Taster auf der Rückseite des Kompaktblitzes. Das zunächst recht übersichtliche Teil entpuppt sich jedoch als echter Knöpfe-Urwald, wenn man den Blitz konfigurieren will: Hier empfiehlt es sich das zweiseitige Merkblatt (Quickguide for prorgammable BXRi features) runterzuladen, auszudrucken und in die Tasche zu den Blitzköpfen zu packen.

Die Einstellungen werden über mehrere Menüs und deren Submenüs erreicht. Dazu muss man diverse Tastenkombinationen oder einzelne Tasten verschieden lang drücken. Die Untermenüs muss man dann über eine weitere Taste durchschalten. Man kann sich zwar Eselsbrücken bauen, da die Tastenkombinationen themenorientiert vergeben sind, aber es bleibt ein Ratespiel ohne Anleitung. Die einzelnen Einstellungen sind mit der Segmentabzeige mit Buchstaben versehen, die jedoch nicht immer selbsterklährend sind. Andererseits muss man an den Einstellungen selbst auch nicht immer rumspielen - Frequenz und Kanal bleiben i.d.R. gleich.

Ich trauere immer noch ein wenig dem Einstellrad von z.B. Hensel/Multiblitz hinterher, da das drücken der Tasten bei Elinchrom meistens eine zweite Hand erfordert, die dagegen hält. Auch schnelles Verstellen ist mit einem Drehrad einfacher. Aber mit der Fernbedienung muss man ja nicht ständig an die Taster ran.

Damit bin ich auch schon bei der Fernbedienung selbst. Diese läuft mit einer Knopfzelle, die ich mir als Ersatz gleich noch einmal bestellt habe. Die ausklappbare Antenne macht durchaus Sinn, wenn man etwas weiter weg ist, aber der Gesamteindruck ist viel "Plastik". Die Tasten lassen sich nicht immer gut drücken, da es zwei Gummitaster sind, die ziemlich plan im Kunststoffgehäuse sitzen. Sie bieten auch nicht wirklich eine Rückmeldung über ausgrführten Druck, so dass man sich darauf verlassen muss, dass es vielleicht getan hat.

An Lichtformern sind im bestellten Set relativ kleine (ca. 65cm x 65cm ), quadratische Softboxen dabei, allerdings ohne Zwischen-Diffusor.

Die mitbestellte 135cm-Rotalux-Octabox mit dem wirklich tollen Speedring ist zwar beim Erstaufbau eine echte Viecherei (hauptsächlich auf meine mangelnde Erfahrung zurückzuführen), aber dann kann man sie super wieder zusammenlegen und in der dazu passenden Tasche verstauen.

Die vorhanden Schirme passen leider nicht - Elinchrom verkauft hier eigene, mit etwas dünnerem Schaft, die durch den Blitzkopf direkt gesteckt werden können und nicht am Neiger befestigt werden. Das ist zwar ärgerlich, aber ich finde die Idee ganz gut, dafür in diese Öffnung auch wechselbare Streuscheiben ein zu stecken, die eigentlich für den Einsatz im Beautydish gedacht sind, aber sich auch für die Octabox, Softboxen oder andere Lichtformer eignen. Diese Streuscheiben gibt es in Weiß, Transparent, Gold u. Silber.

Der Beautydish (silber) + "Bettlaken" zum drüberspannen bietet natürlich nicht ganz das Licht dessen von Hensel - aber kostet dafür auch nur einen Bruchteil davon. Nicht ganz optimal, dass man immer die Streuscheibe abziehen muss, bevor man den Beautydish abnehmen kann. Auch blöd: Es gibt keine (bezahlbare) Wabe als Einsatz dafür.

Überhaupt tut man sich mit Waben bei Elinchrom-Lichtformern etwas schwer. Es gibt zwar Waben als Zubehör, die aber astronomisch teuer sind. Hier habe ich dann (notgedrungen) Drittanbieter "Billigware" bevorzugt, die aber ihren Dienst auch einigermaßen tut (you get what you pay for).

Meine Hauptängste im Vorfeld betrafen das Elinchrom Bajonett, über das man viel schlechtes liest. Jetzt, wo ich es in Betrieb habe, kann ich die Kritiken nachvollziehen. Aber man muss dazu sagen, dass es sich einspielt. Es wird sowohl leichtgängiger als die Neuprodukte es sind, als auch die eigene Fertigkeit steigt mit der Übung. Einzig bei den Drittanbieter-Speedringen, die keine einfache/ordentliche Arretierung gegen das Verdrehen haben, ist es etwas schwierig den Speedring so zu befestigen, dass er sich beim aushaken des Bajonettes nicht mitdreht.

 

 

Das Einstell-Licht besteht werkseitig aus Glühbirnen, die man jedoch mit einem ca. 35 Euro teuren Adapter (Adapter E27-GX 6.35) auf Halogen-Stift-Leuchtmittel umrüsten kann. Oder man besorgt sich die Halogen-Leuchtmittel mit entsprechendem E27-Gewinde (z.B. die OSRAM Eco 64402 150 Watt). Hier muss man nur auf die Leistung achten, damit die Fassung nicht zu heiß wird und Schaden nimmt.

Ich habe meine Ausrüstung bei der Fotowerkstatt-Mainz bestellt - einfach deshalb, weil alles Verfügbar war, was ich wollte und einigermaßen in der Nähe sind, so dass ich notfalls auch hinfahren könnte. Lieferung ging zügig und Ansprechpartner ist wirklich immer jemand da u. macht einen kompetenten Eindruck.

Leider ist der Skyport-Receiver bereits nach wenigen Shootings aus unerklärlichen Gründen am Hotshoe der Kamera einfach gebrochen (zumindest der Kunststoff - funktioniert hat er noch). Anruf bei meinem Handler ergab, dass das bei solchen Geräten für den professionellen Einsatz nicht passieren dürfe und man bat mich ihn einzuschicken. Auf Rückfrage, ob ich vorab ein Austauschgerät bekommen könnte, kam innerhalb von 2 Werktagen direkt von Profot-Deutschland (Elinchromvertretung in D) der Ersatz. Das nenne ich vorbildlich und echten Service - sowohl von meinen Handler, der das alles organisiert hat, als auch von Elinchrom selbst.

Kombination von System- und Studioblitzen:

Zum Aufhellen, Haarlicht, Hintergrund- oder Effektbeleuchtung sind die Systemblitze durchaus noch gut geeignet und als Ergänzung zu den Studioblitzen noch verwendbar. Damit das auch gut funktioniert, sollte man diese auf "Slave über Photozelle auslösen" (bei den Nikon SB900 heißt das "SU-4 mode") stellen. Die Leistung muss dann natürlich manuell eingestellt werden.

 

Fazit

Ich bin sowohl mit den Kompaktblitzen von Elinchrom BXRi 250/500, als auch mit den Lichtformern recht zufrieden. Wenn Geld keine Rolle spielt, hätte ich mir Hensel o. Multiblitz gekauft, vielleicht auch eine Porty-Lösung. Aber das Preis-Leistungsverhältnis ist gut und bei begrenztem Budget kann ich Elinchrom als Markenprodukt bis jetzt durchaus empfehlen.

Ich hoffe ich habe dem einen oder anderen, der auch vor einer Kaufentscheidung steht ein wenig was von meinen Erfahrungen mitgeben und wenn ich noch Fragen beantworten kann, mache ich das gerne.

Ich würde mich sehr freuen ein paar Kommentare hier zu lesen, ob das jemandem geholfen hat.

Schönes Licht!

Euer

Knut

 
 

Kommentare

Uli(nicht registriert)
Hi,
ganz gute zusammengefasst. ich persönlich bevorzuge ja die Style RX-Serie und arbeite schon seit Jahren damit, da es hier noch kürzere Blitzleuchtzeiten und schnelleres Nachladen gibt.

Falsch ist, dass es keine bezahlbare Wabe für die Beautydishs gibt. Für denn 44er gibt es eine Wabe mit zusätzlichen Halterungen für Abschirmklappen für ca. 90,-€. Für den großen gibts das natürlich auc, dann aber etwas teurer. Habe die Wabe am 44er und bis da sehr zufrieden mit. Einziger Nachteil: Man kann dan keine Deflektoren mehr nutzen, da die zu weit vorstehen. leider weist Elinchrom darauf nicht hin und so hatte ich gleich einen kleine Beule in meiner Wabe. Funktioniert aber noch ohne Problem.

Für ambitionierte Amateuer ist das Elinchrom-System aus meiner Sicht erste Wahl. Allein die Softboxen sind der Hit. Das Rotalux-System ist einfach genial. Und die großen Softlites erst recht. Schneller kann man eine Softbox nicht auf und zu machen.
Andreas(nicht registriert)
Hallo Knut,

ist ja interessant, genau diese Denkweise hatte ich vor rund 3 Jahren auch und bin bei Elinchrom gelandet. Und noch immer zufrieden.
Die kleinen Schwachpunkte hast Du ja erwähnt, wobei ich sagen muß, daß ich äußerst selten die Verstellungen per Untermenüs nutze. Entscheidender ist da schon das fehlende Einstellrad sowie die horrend teuren Waben für die Softboxen.
Selbstbau? Hab da einen interessanten Link gefunden...

Das Bajonett, naja... es gibt bessere.
Aber alles in allem für den Preis o.k.

Danke für die Anregung mit dem Halogen-Leuchtmittel (E27).

Weiterhin Gut Licht und viel Spaß mit Deinen Blitzen.
LG Andreas
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